Mein Ein und Alles – Gabriel Tallent

mein ein und alles

In den Nord kalifornischen Wäldern wächst Turtle (Julia) mit ihrem Vater und Großvater auf. Schon zu beginn der Geschichte wird klar, dass die Beziehung zu ihrem gestörten Vater nicht gesund ist. Wie gestört, dürfen wir im Laufe der Geschichte erfahren.  Turtle versucht sich einerseits ihrem Vater zu entziehen, indem sie stundenlang in den Wäldern unterwegs ist, oder durch verschiedene Tätigkeiten die sich ein Kind in ihrem alter nicht fokussieren sollte. 

Doch sobald jemand nur den kleinen verdacht ausspricht, geht sie sofort in Schutzhaltung und versucht zu beweisen, dass ihr Vater der tollste Mensch der Welt.  Sie kommt in der Schule nicht hinterher und hat auch keine Freunde, sie glaubt es liegt an ihr, weil sie ja ein „dummes Luder“ ist, um es mit ihren Worten zu formulieren.  Dadurch wird diese Beziehung und die Bindung zu ihrem Vater so komplex, dass es mich als Leser zum verzweifeln brachte. Dadurch hatte ich mich häufig gefragt, wieso ich dieses Buch überhaupt noch lese. Ich verbinde es nur mit Schmerz und Mitleid und meine eigene Hilflosigkeit diese Ungerechtigkeit miterleben zu müssen, ohne dieser Person irgenwie helfen zu können. Sie einfach zu schütteln um dadurch wach zurütteln, aber wohl bewusst zu sein, dass es nicht so einfach sein würde. 

Im Laufe des Buches passieren ein paar existenzielle Erlebnisse in ihrem Leben, dass sie so langsam zum umdenken bringen. Doch auch da, muss man dabei zusehen, wie Turtle weiß was richtig und was falsch ist, sie aber trotzdem dagegen kämpft um die Dinge nicht wahr zu haben. 

Durch die Zuflucht die Turtle in der Natur sucht, sind die Naturbeschreibungen immer sehr ausführlich. Das muss man möglich, doch obwohl ich nicht der Freund von zu ausführlichen Beschreibungen bin, finde ich passt es diesmal in die Geschichte und gibt dem ganzen paradoxerweise Ruhe und  Frieden, den es nicht geben dürfte. Ich finde den Schreibstil ebenfalls gelungen und sehr passend zum Alter der Protagonistin und zur ganzen Geschichte. 

Ich kann nicht behaupten das Buch gerne gelesen zu haben, konnte aber auch nicht damit aufhören aus der Hoffnung noch irgendwo ein Happy-End für Turtle zu finden. Trotzdem habe ich mir immer wieder gewünscht diese Geschichte nicht angefangen zu haben. Dieses Buch wird heiß diskutiert und dies ist auch vermutlich das was der Autor auch erreichen wollte. Ich vergleiche Bücher normalerweise nicht, aber zuletzt habe ich ich mich bei „Ein wenig Leben“ genauso hilflos und wütend beim lesen gefühlt.  Ich möchte auch eine Trigger Wahrung für Missbrauchs-opfer aussprechen. 

 

mein ein und alles

 

Aus dem Amerikanischen von Stephan Kleiner
Originaltitel: My Absolute Darling
 
Originalverlag: Riverhead Books
 
Hardcover mit Schutzumschlag, 480 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-328-60028-2
 
Erschienen am  24. September 2018
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

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