[Longlist] Der Vogelgott

Der Vogelgott

Der Vogelgott von Susanne Röckel

 

Aus den dunklen Fensterlöchern traten ausdruckslose Gesichter ans Licht, und hinter mir sammelte sich eine Reihe zerlumpter Kinder, die mir in Gesellschaft ihrer stummen, struppigen Hunde im Abstand von einigen Metern misstrauisch folgten. Zitat Seite 9

Thedor Wehyde hat sich ein wenig in seinem Leben verloren. Er war nie der Typ etwas aus Leidenschaft zu tun, dennoch hatte er das Glück, durch die Unterstützung seines Vaters, dass der studieren durfte. Seine Mutter starb an Krebs, dies war ein Grund wieso er Arzt werden wollte. Sein Medizinstudium brach er jedoch ab, weil er einfach nicht genug dafür getan hat. Er schämte sich dafür und bewarb sich bei der STW (Save the World) Organisation und bekam diesen Job, ohne groß danach zu Fragen, was ihn im Gebiet Kiw-Aza in Afrika erwartet. Seine Schwester ist als erste sehr besorgt. Gerüchte über seltsame Kulte bei denen Menschen geopfert und auch verspeist wurden, kursierten um diesen Ort.

Es waren bereits Christliche Missionare vor Ort, doch 1916 kam es zu einem blutigen Ende, nachdem die Missionare und die zur Hilfe eilenden englischen Soldaten, das Gebiet verliessen. Erst nach Mitte des 20. Jahrhunderts, wurde wieder eine Krankenstation erbaut, an denen Ärzte und Entwicklungshelfer arbeiten.

Als Thedor ankommt, ist in diesem Land längst noch nicht alles wie er es gewohnt ist. Er verändert sich selbst und weiß nicht wieso und woher bestimmte Gedanken kommen. Er soll aufgrund der seltsamen Vorkommnisse, wieder als gebrochener und psychotischer Mann zurück kommen.

Meinung

Ich war wirklich gespannt, was mich in dieser Geschichte erwartet, denn der Klappentext deutet bereits einen religiösen Kult an, bei dem ein Vogel als Gott verehrt wird. Dies wird auch der Kern der Geschichte bleiben. Genial hat es die Autorin eingebunden und eine Geschichte konstruiert, die so spannend, gruselig und an manchen Stellen sehr verschachtelt ist, aber in positiven Sinne, nicht allen Autoren gelingt sowas.

Wir dürfen nicht nur einem einzigen Protagonisten folgen, sodass sich diese Geschichte im Laufe der Zeit, zu einer Familiengeschichte entwickelt, bei dem wir einige Entwicklungen miterleben dürfen. Nichts ist irgendwie verworren, sondern einfach nur nahtlos und unglaublich klug eingebunden. Die Figuren in dem Buch werden einem gut nahe gebracht, denn wir bekommen Hintergrund Wisse, sodass man schnell eine Bindung zu den Figuren herstellen kann.

Ein Zitat habe ich ja bereits gleich am Anfang der Rezension gestellt, weil ich die Beschreibung, der beklemmenden Stimmung und Atmosphäre in diesem Buch, so gelungen finde.

Immer wenn das Buch sehr ruhig wurde und ich schon in Sorge war mich bald zu langweilen, passierte etwas, dass so unfassbar war und ich danach wieder einen neuen Ansatz, aus einer anderen Perspektive erhalten habe, die aber zu einer fast ähnlichen Zeit spielt.

Die Sprache war sehr angenehm, weder anspruchslos noch anspruchsvoll. Die Autorin  wollte nicht mit einer Neuerfindung der Sprache auffallen und den besonderen Umgang von Wörtern, sondern hat mich mit dieser Art von Geschichte und Spannung, und als Horror-Leser sowieso absolut gefangen genommen.

Fazit: 

Thedor Weyde verliert sich selbst, nachdem er einen Job für die Organisation Save the World annimmt. Was dazu geführt hat, und wieso er danach kein normales Leben mehr führen konnte,  wurde hier auf eine ganz besondere Weise erzählt, bei dem man lieber das Licht beim Lesen an lässt.  Ohne Sprachexperimente, aber mit einer genialen Konstruktion des Geschichtsverlaufes, der Einbindung des interessanten Themas über religiösen Kulte und mir bis dahin unbekannten Vogelgott, hat mich die Autorin überzeugt, zu Recht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises zu stehen.

 

  • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
  • Verlag: Jung u. Jung; Auflage: 1 (2. März 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3990272144
  • ISBN-13: 978-3990272145

 

Der Vogelgott  von Susanne Röckel

 

ACHTUNG WERBUNG DA MARKENERKENNUNG UND VERLINKUNG.

DIE BILDER SIND ZU AMAZONE VERLINKT. HIERBEI HANDELT ES SICH UM KEINE AFFILIATLINKS. ES DIENT REIN ZU INFORMATIONSZWECKEN FÜR DEN KLICKENDEN.

5 Kommentare zu „[Longlist] Der Vogelgott

  1. Hallo!

    Das Buch hat mir auch sehr gut gefallen! Ich habe deine Rezension eben erst gesehen und in meiner Rezension verlinkt:
    https://wordpress.mikkaliest.de/2018/09/09/deutscher-buchpreis-2018-susanne-roeckel-der-vogelgott/

    Ein kleiner Hinweis sei mir gestattet: der arme Kerl heißt Thedor, nicht TheOdor. 😉 Jetzt, wo ich darüber nachdenke (vielleicht ändere ich meine Rezension nochmal, um darauf hinzuweisen): die Vorsilbe „theo“ kommt ja vom lateinischen Wort für „Gott“, aber die Autorin verweigert Thedor das „o“ und macht ihn quasi zum Gottlosen.

    LG,
    Mikka

    Gefällt 1 Person

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