Die Ladenhüterin – Sayaca Murata BUCHTIPP

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Die Ladenhüterin – Sayaca Murata BUCHTIPP ✰✰✰✰✰

145 Seiten – Aufbau Verlag

In diesem zunächst unscheinbaren Buchtitel, verbirgt sich eine tolle Geschichte. Es geht um die ebenfalls unscheinbare Keiko, die in einem Konbini Geschäft ( kleiner Supermarkt) arbeitet. Sie macht ihre Arbeit sehr pedantisch.

„Selbst die auffälligsten Gesten und Blicke nehme ich automatisch wahr. …die kleinsten Regungen und Wünsche meiner Kundschaft registriert ich.“ Seite 7

In einem kleinen Rückblick erfahren wir, wieso Keiko Furukura so ist. Denn sie ist vermutlich nicht Empathiefähig, dass wird so nicht genau geschrieben, aber scheint darauf hinaus zu laufen. Sie hat seit ihrer Kindheit Dinge getan, die andere Kinder einfach nicht tun würden. Als sie und ihre Schwester einen toten Vogel fanden, wollte ihre Schwester diesen natürlich vergraben, Keiko dagegen fand diese Vorgehensweise seltsam, sie wollte den Vogel mit nehmen und kochen. Die ganze Familie war von diesem Entschluss entsetzt.

Warum sollte man sie also begraben, statt sie zu essen? Es war mein Rätsel. … Anschließend rissen sie überall Blumen aus, die dann auch tot waren. Seite 11

Um ihrer Familie keinen weiteren Kummer zu bereiten, entschließt sich Keiko ein stilles und anpassungsfähiges Mädchen zu sein. Denn schweigen scheint für sie das beste Mittel zu sein um Problemen aus dem weg zu gehen.

Sie fängt während ihres Studiums einen Nebenjob, in einem kleinen Lebensmittelgeschäft an. Dort lernt sie alles vor der Ladeneröffnung, wie man lächelt, wie man grüßt und spricht, wie man den Menschen begegnet. Obwohl Keiko ihr Studium beendet bleibt sie im Laden weiterhin beschäftigt.

Doch mit 36 immer noch in einem Konbini Geschäft zu arbeiten, stößt bei ihre alten Schlusskameraden und den Menschen in ihrer Umgebung auf Unverständnis. Als der faule und ebenfalls anders denkende Shiraha in ihrem Landen anfängt zu arbeiten, ändert sich ihr Leben. Jedoch nicht so, wie es die Menschen in ihrer Umgebung, von ihr verlanden oder erhoffen.

Ich fand die Ansätze und die Angesprochenen Themen absolut faszinierend. Keiko war ein Mensch der nicht Empathiefähig ist, aber so wenig Empathie sie empfand, umso mehr Sympathie konnte ich für sie empfinden. Das sie sich trotz allem Mühe gab, ein normaler Mensch zu sein, nur um nicht zur Last zu fallen. Einfach das zutun was die anderen auch tun, zu reden wie die anderen reden, obwohl dies auch scheinbar nicht nur sie nachäfft. Ihr fällt auf, dass auch andere sprachliche Eigenheiten, bei anderen Menschen abschauen und nachahmen.

Trotzdem war sie es Leid, dass andere Menschen, ständig Ursachen für ihre sonderbare Art suchten und ärgerte sich über ihre Arroganz. Auch der neue Mitarbeiter, der ebenfalls nicht in die Norm der Gesellschaft passt, hat so seine eigene Meinung darüber:

„Obwohl man heute von Individualismus spricht, werden Menschen, die keinem Stamm gehören wollen, belästigt, ungerecht behandelt und zu guter Letzt ausgestoßen“ Seite 82

Shiraha spricht so sonderbar, weil er immer wieder auf seine Vorfahren zurück greift.

Kurzum geht es in diesem Buch um Menschen, die nicht in die Norm passen und trotz aller Toleranz die es heutzutage gibt, werden diejenigen die anders sind als der Großteil, oder andere Dinge tun möchten, als wir es gewohnt sind, als krank oder unnormal behandelt, wenn nicht gar Ursachen für diese Eigenart gesucht werden.

Interessant ist das die Autorin Sayaka Murata selbst solch einem Store arbeitet. Sie erhielt für dieses Buch mehrere Preise, wie den Noma Preis für Nahwuchsschriftsteller und den Akutaga-Preis ( renommierter Literaturpreis Japans ) .

Fazit:

Eine provozierende Geschichte, die die angebliche Toleranz unserer Zeit, ein Spiegel vorhält. Eine absolute Empfehlung. Dieses Buch gärt förmlich in einem.

 

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2 Kommentare zu „Die Ladenhüterin – Sayaca Murata BUCHTIPP

    1. Hallo Mila. Ich habe mich beim lesen nie gewundert, wieso ich nicht schon viel mehr von diesem Buch gehört oder gelesen habe. Irgendwie ist es ein wenig an mich vorbei gegangen. Liebe Grüße

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